ZBV
Hochwertige Zahnmedizin braucht angemessene Honorare
 - Peinliche „Einmischungen“ weniger Kostenerstatter in das Arzt-Patienten-Verhältnis -

Das Gesetz der Wirtschaft ist immerwährend und immer gültig. Hochwertige Dienstleistungen erhält man in aller Regel nur in Kombination mit einem angemessenen Preis. Preis und Leistung verhalten sich zueinander in aller Regel direkt proportional und nicht indirekt proportional.
Schon vor weit über 100 Jahren formulierte der englische Sozialreformer John Ruskin (1819 – 1900) zu diesem Themenbereich folgende treffliche Worte:
Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand etwas schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die Ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen. Die Erinnerung an schlechte Qualität wäre länger als die kurze Freude am niedrigen Preis

Für privatzahnärztliche Leistungen gilt hierzulande die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ): Der allgemeine Punktwert zur Ermittlung des Honorars ist allerdings seit 1988 (eigentlich seit 1965) „eingefroren“ und beträgt „stabile“ 11 Pfennige ! Die Bewertungszahlen von ca. 70% der Leistungen sind seit 1988 ebenfalls unverändert. Manche in 2012 neu eingepflegten zahnärztliche Leistungen (vor allem die tagtäglich erbrachten Restaurationen mit Kompositmaterial) haben unangemessen niedrige Bewertungszahlen. Als einzige Variable zur Bemessung des Honorars bleibt also dann der Steigerungsfaktor.
Es braucht aufgrund dieser genannten Fakten sehr häufig im Vorfeld der Erbringung einer privatzahnärztlichen Leistung eine schriftliche Vereinbarung des Steigerungsfaktors (notwendig bei Steigerungsfaktoren größer 3,5), um einerseits ein angemessenes Honorar in Euro zu gestalten und andererseits entsprechend Behandlungszeit zur Verfügung zu haben, um die Leistung in der notwendigen hohen Qualität erbringen zu können !

Patienten verstehen in aller Regel die Notwendigkeit hoher Steigerungsfaktoren für hochwertige Zahnmedizin.
Leider kommt es aber aktuell immer wieder zu peinlichen „Einmischungen“ durch einige private Kostenerstatter, eben auch durch Zahnzusatzversicherungen für gesetzlich versicherte Patienten. Telefonisch wird hier manchmal „offen und pauschal“ formuliert: „Diese Zahnarztpraxis ist zu teuer. Gehen Sie doch woanders hin!“
Derartige unsachgerechte Diffamierungen wird man im Einzelfall nicht verhindern können, zumal diese ihren Hintergrund häufig darin haben, dass gerade bei niedrigen Beiträgen im Bereich einiger Versicherungsangebote die Erstattungshöhe nach menschlichen Ermessen eben auch nur niedrig sein kann.
Wenn dann allerdings ein durch den Kostenerstatter desinformierter Patient den Zahnarzt in den heutzutage „angesagten“ Vergleichsportalen zu Unrecht als „Abzocker“ beschimpft, dann ist das eine mehr als ungute Situation.

Fazit: Der gut aufgeklärte und informierte Patient wird sich durch „Störfeuer“ von vereinzelten Kostenerstattern nicht beeindrucken lassen und wird eine hochwertige Zahnmedizin wählen, die eben auch ihren Preis hat.

Dr. Peter Klotz, 2. Vorsitzender ZBV Oberbayern (Januar 2017)

Artikel als PDF zum Ausdrucken


Fortbildung