ZBV
Neues von der LAGZ Bayern
 Zahntraumaposter als Download auf der Homepage der LAGZ Bayern

Das Thema „Zahntrauma“ ist uns in der Fachpresse in den letzten Jahren häufig begegnet und die Wichtigkeit des Komplexes Diagnostik, Therapiemöglichkeit, Kompilkationen, Spätfolgen verlieren keinesfalls an Aktualität. Nicht zuletzt, da sich der Personenkreis, der von der der häufigsten Form, dem Frontzahntrauma betroffen ist, vergrößert.
Es sind hier in hoher Prozentzahl Kinder mit bleibender Frontbezahnung betroffen, die einen großen Overjet, verbunden mit insuffizientem Lippenschluss , aufweisen. Besonders zu erwähnen sind dabei Verletzungen bei Sportarten, bei denen „no risk, no fun“ vorherrscht. (Skateboard,Biken,Eishockey..etc). Ein weiterer Faktor ist die gesteigerte Hyperaktivität die bei Kindern und Jugendlichen auftritt, meist in Verbindung mit einem Fehlen der Einschätzung von Gefahren.

Im Hinblick auf die Fülle an Fachliteratur möchte ich das genaue Vorgehen bei einem Zahntrauma, speziell bei der Avulsion von Zähnen, nicht weiter wiederholen.
Wichtig für uns in der Praxis ist, auch wenn uns die Routine auf diesem Gebiet fehlen sollte, eine adäquate Diagnostik und suffiziente Primärtherapie durchzuführen.
Das Zeitfenster, das ein unverzügliches Handeln erfordert, ist abhängig von der Art der Lagerung beim Transport des avulsierten Zahnes.

Das Medium der Wahl ist eine Zahnrettungsbox „Dentosafe (MEDICE, Iserlohn oder Curasafe, EMT Tooth Saver). In diesem Medium befinden sich : RPMI- Zellnährmedium, anorganische Salze, Aminosäuren, Glukose, Vitamine, Puffer und ein Indikator, der eine Überlagerung anzeigt. In dieser Lösung gelagert, können die Zellen des PDL (parodontales Ligament) bis zu 25 Stunden überleben. Ein avulsierter Zahn sollte daher idealerweise unmittelbar nach dem Unfall so aufbewahrt werden, Dazu ein Zitat von Prof.A. Filippi aus dem Zahnunfallzentrum der Universität Basel :“ Die wenigsten Zahnärzte beherrschen die heute zum Standard gehörenden antiresorptiven und regenerationsfördernden Therapiekonzepte (ART) nach Avulsion oder haben die erforderlichen Medikamente (Tetracycline, Steroide, Schmelzmatrixproteine) vorrätig. Das Einlegen eines Zahnes in eine Zahnrettungsbox und die unmittelbare Überweisung an einen Spezialisten oder eine Universitätszahnklinik ist ebenfalls eine adäquate und zellphysiologische Behandlung. Die Zahnrettungsbox sollte nicht nur in jeder Zahnarztpraxis, sondern grundsätzlich auch in jeder Unfallchirurgie und im Notarztwagen vorhanden sein. Idealerweise sollte sie ebenfalls dort griffbereit sein, wo häufig Zahnunfälle passieren: in Sporthallen, Schulen und öffentlichen Schwimmbädern.“

Es ist natürlich klar, dass dort, wo Zahnunfälle passieren in der Regel in freier Natur keine Dentosafebox zur Verfügung steht. Wichtig ist daher, die Bevölkerung über richtiges Verhalten bei einem Zahnunfall aufzuklären und dies kann nicht oft genug geschehen. Gerade wir als Zahnärzte kennen den leidvollen und kostspieligen Weg den ein Kind oder Jugendlicher beim Verlust eines Frontzahns vor sich hat. So gibt es die Empfehlung den ausgeschlagenen Zahn in kalter H-Milch zu lagern. Diese haben die meisten Haushalte vorrätig. In diesem Medium befinden sich in ausreichendem Masse Nährstoffe und es ist relativ isoton , daher kann eine Lagerung bis zu 2 Stunden möglich sein. Isotone Kochsalzlösung ist nur bedingt geeignet, hier gibt man nur 1 Stunde für eine effektive Aufbewahrung an. Normales Leitungswasser ist nicht isoton, daher ungeeignet und kann die Zellen des parodontalen Ligaments schädigen,in gleicher Weise ist eine Lagerung in einem Taschentuch (Austrocknung) oder in Speichel (bakterielle Besiedelung) kontraindiziert. In der Praxis empfiehlt es sich, egal, in welchem Lagermedium sich der Zahn befand, ihn, vor der Replantation grundsätzlich in eine neue Rettungsbox einzubringen.

Die LAGZ Bayern versendet an alle Grundschulen, die erfolgreich bei der „Aktion Löwenzahn „ teilgenommen haben, bayernweit alle 3 Jahre eine Zahnrettungsbox . (Haltbarkeit 3 Jahre). Allein in Oberbayern werden im September 2015 760 Grundschulen beliefert.

Zahntraumaposter als PDF runterladen

Für die Grundschulkinder haben wir ein Aufklärungsquiz „Erste Hilfe beim Zahnunfall“ entwickelt, mit dem wir in die Klassen gehen und für die versierteren gibt es das Quiz im Internet (Klasse 5/6) . Für Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen haben wir auf unserer Homepage des ZBV Oberbayern (zbvobb.de) als Download ein Plakat für ihr Wartezimmer bereitgestellt. Dort werden auf einfachste Weise die wichtigsten Hinweise zum Verhalten bei einem „Zahnunfall“ gegeben. Sie können dies als A4 Format ausdrucken oder, wenn sie es größer wünschen die Datei in einem Copy-Shop ausdrucken lassen.

Des weiteren folgende Hinweise:
„Zahntrauma - was tun ?“, diese Info-Broschüre für Ihre Patienten gibt es bei der BLZK.

Auf der Homepage lagz (www.lagz.de) gibt es einen“ Elternbrief“ …apropos „Erste Hilfe..“ für das Wartezimmer

Der diesjährige Bayrische Zahnärztetag am 22.10.2015 hat folgendes Thema: „Zahndurchbruch-Zahntrauma-Zahnwechsel“

Quellen: ZMK, Judith Ludwigs, Dennis Böttcher, Dr. Till Dammaschke, Dr. Torben Utrecht Interaktive Fortbildung „Unfallbedingte Avulsion-Diagnostik, Therapie, Komplikationen“- Teil 1 (aktualisiert o4.06.2013) Prof. Dr. A. Filippi, Der MKG-Chirurg 2011 ,“Zahntrauma, Klassifikation, Terminologie, Risikofaktoren und Verhalten am Unfallort“

Dr. Brigitte Hermann, Referentin Prophylaxe ZBV Oberbayern


Fortbildung